Unser fairer Modellwert beruht im Kern auf zwei Wachstumsannahmen und zwei Margenpfaden. Für Consumer unterstellen wir ein Umsatzwachstum von 3,5 % pro Jahr, deutlich unter der über sechs Jahre demonstrierten Rate von 4,5 %, aber über dem zuletzt tatsächlich erzielten organischen Wachstum von 2,5 % im Jahr 2025. Der Anker dafür ist die Managementguidance für 2026 ('flat to slightly growing organically') zusammen mit der Erwartung, dass sich die dokumentierte Dezeleration nicht linear fortsetzt, sondern das NIVEA-Rebalancing graduell wirkt.
Für tesa setzen wir 2,0 % Wachstum an, ebenfalls unter der demonstrierten Sechsjahresrate von 3,3 %, gestützt auf die Managementguidance ('moderate growth') und die beobachtete Kompensation der europäischen Automotive-Schwäche durch das asiatische Elektronikgeschäft.
Bei den Margen gehen wir für Consumer von 12,9 % im ersten Jahr (leicht unter den zuletzt berichteten 13,1 %, im Einklang mit der Guidance eines Rückgangs wegen fortgesetzter Markeninvestitionen) auf 13,5 % in fünf Jahren aus, getragen vom OPEX-Effizienzprogramm und dem Mix-Shift zu margenstarker Derma. Für tesa unterstellen wir 14,8 % im ersten Jahr und 15,3 % in fünf Jahren, ebenfalls unter dem zuletzt berichteten Niveau von 15,0 %, mit langsamer Erholung bei einer angenommenen Stabilisierung der Automobilnachfrage.
Die eigentliche Wette liegt in der Consumer-Wachstumsannahme, weil das Segment 83 % des Konzernumsatzes stellt. Dafür spricht das intakte Momentum bei Derma (+11,7 %) und Health Care (+9,3 %), die zusammen die NIVEA-Schwäche teilweise auffangen. Dagegen steht, dass die NIVEA-Marktanteilsverluste in vier Ländern (Deutschland, Polen, Thailand, Indonesien) bislang ungebrochen sind und der La-Prairie-China-Einbruch von 4,5 % eher strukturell als zyklisch wirkt. Wir bleiben deshalb bewusst unter der demonstrierten Mehrjahresrate, obwohl die Guidance selbst optimistischer klingt als der 2025er-Trend.
Die Bandbreite zeigt, wie stark das Ergebnis auf diese Annahmen reagiert. Gelingt der NIVEA-Turnaround schneller als geplant und erholt sich zugleich die europäische Automobilindustrie, ergibt sich ein Wert von rund EUR 105,26 (Wahrscheinlichkeit etwa 20 %). Setzen sich die NIVEA-Marktanteilsverluste dagegen fort und verschärft sich die europäische Automotive-Rezession bei zusätzlichen US-Zöllen, fällt der Wert auf rund EUR 66,98 (ebenfalls etwa 20 %). Der wahrscheinlichkeitsgewichtete faire Modellwert von EUR 85,06 liegt näher am Basisszenario von EUR 84,36, weil wir diesem mit rund 60 % das größte Gewicht geben.