Unser fairer Modellwert beruht auf zwei tragenden Annahmen. Erstens unterstellen wir ein Umsatzwachstum von 18 % pro Jahr. Als Anker dient die explizite Managementguidance für 2026 (rund 66 Mio. EUR Umsatz gegenüber zuletzt berichteten 53,9 Mio. EUR, entsprechend rund 22 % Wachstum im ersten Jahr), die mit konkreten Auslastungszielen je Standort unterlegt ist (Abtsee 56 %, Bergisches Land 40 %). Für die Folgejahre schreiben wir das Wachstum auf 18 % fort, getragen vom ersten vollen Betriebsjahr der neuen Standorte, von der seit Februar 2026 bestehenden Warteliste in Zürich und von der Managementaussage, für 2027 weitere Expansionsprojekte zu prüfen.
Diese Rate liegt leicht unter der Year-1-Guidance, nicht darüber, um keine Extrapolation eines Anlaufjahres zu betreiben. Zweitens erwarten wir in unserem Modell eine Verbesserung der EBIT-Marge von zuletzt berichteten 17,3 % auf 18 % im ersten Jahr und weiter auf 24 % bis 2030. Als Anker dienen der Operating-Leverage des Geschäftsmodells (Fixkostenblock Personal steigt unterproportional zur Auslastung), die Goodwill-Amortisation von 1,5 Mio. EUR jährlich als Sonderbelastung, sowie die Guidance für eine EBITDA-Marge von 23 bis 25 % im Basisfall.
Die eigentliche Wette ist der Margenpfad. Dafür spricht, dass die reifen Standorte (Mecklenburgische Schweiz, Bad Brückenau) nachweislich profitabel arbeiten und die Konzernmarge durch die anlaufbedingten Verluste in Bergisches Land gedrückt wird. Dagegen steht der strukturell enge Fachkräftemarkt: Liegt der Personalaufwand dauerhaft über 44 bis 45 % der Gesamterträge statt der von uns unterstellten Absenkung unter 42 %, reduziert sich der Margenspielraum erheblich. Wir unterstellen deshalb eine Margenexpansion, die zwar über dem heutigen Ist-Stand liegt, aber unterhalb der vom Management kommunizierten EBITDA-Marge von über 25 % im Optimalfall bleibt. Das ist bewusst konservativ.
Die Bandbreite zeigt die Sensitivität gegenüber diesen Annahmen deutlich. Gelingt der Anlauf der neuen Kliniken schneller als geplant und erreichen Bergisches Land und Abtsee 70 bis 80 % Auslastung bis Ende 2026 statt der geplanten 40 bis 56 %, liegt unser Modellwert bei rund EUR 943,74 (Eintrittwahrscheinlichkeit rund 20 %). Im Basisfall (planmäßiger Anlauf, Guidance 2026 wird erreicht, Bergisches Land verlässt im zweiten Quartal 2026 die Verlustzone) ergibt sich ein Wert von EUR 628,13, gewichtet mit rund 60 %.
Verläuft der Anlauf in Bergisches Land deutlich langsamer als geplant und dauert die Verlustzone bis Ende 2026 an, während der Fachkräftemangel den Personalaufwand strukturell auf über 46 % treibt, liegt der Wert bei EUR 379,04 (rund 20 % Wahrscheinlichkeit). Der gewichtete faire Modellwert von EUR 641,44 liegt rund 13 % über dem aktuellen Kurs von EUR 565,71.
Das moderate Aufwärtspotenzial von 13 % bei gleichzeitiger Bewertungsposition 'Unterbewertet' erklärt sich dadurch, dass der Markt die Wachstumsgeschichte bereits zu einem wesentlichen Teil einpreist: Zu rund 13,5× EV/EBITDA zahlt der Markt ein Vielfaches, das im mittleren Bereich der eigenen Fünfjahresspanne liegt und nicht auf Pessimismus hindeutet. Die verbleibende Lücke zu unserem Modellwert entsteht vor allem daraus, dass wir die Margenexpansion und den Anlauferfolg bei Bergisches Land etwas früher modellieren als der Markt derzeit impliziert. Zusätzlich ist ein Einmalbetrag von rund 0,8 Mio. EUR für ein Mehrwertsteuerrisiko bei den deutschen Klinikstandorten (Wahrscheinlichkeit 20 %, potenzielles Nachforderungsvolumen rund 4 Mio. EUR) in unserem Modellwert berücksichtigt.