Unser Modellwert beruht maßgeblich auf zwei Segmentannahmen. Für Bioprocess Solutions unterstellen wir ein Umsatzwachstum von 8 % gegenüber einer demonstrierten Mehrjahresrate von nur 3,4 %; die Beschleunigung ist durch die FY2026-Guidance von 6 bis 10 % währungsbereinigt und die bereits realisierten 9,5 % im Jahr 2025 gestützt, die die durch Kundenlagerabbau verzerrten Jahre 2023/2024 hinter sich lassen. Die operative Marge setzen wir von 17,6 % heute auf 20,5 % in fünf Jahren an, getragen vom rückläufigen Gewicht der Sonderposten und einer besseren Auslastung der weitgehend fixen Fertigungsbasis.
Für Lab Products & Services unterstellen wir ein Wachstum von 4 % gegenüber einer rückläufigen demonstrierten Rate von minus 1,75 % über die vergangenen Jahre; Anker ist die FY2026-Guidance von 2 bis 6 % währungsbereinigt, die einen Beitrag der MATTEK-Akquisition von rund 1,5 Prozentpunkten enthält. Die Margenannahme, ein Anstieg von 5,6 % auf 11 % in fünf Jahren, ist die eigentliche Wette in diesem Segment: Sie setzt voraus, dass sich der Bioanalytik-Mix, aktuell rund ein Drittel des Segmentumsatzes, weiter zugunsten margenstärkerer Produkte verschiebt.
Dagegen steht, dass die Marge zuletzt erst von 4,3 % auf 5,6 % gestiegen ist und die laufenden Investitionen in Advanced-Cell-Models sowie Zollbelastungen die Erholung bremsen können; wir bleiben mit unserer Fünfjahresannahme unter dem historischen Boomniveau von rund 13 %.
Die Bandbreite zeigt die Sensitivität dieser Annahmen: Gelingt eine schnellere Erholung, etwa weil sich das Biotech-Finanzierungsumfeld breiter verbessert und Bioprocess Solutions am oberen Ende der Guidance wächst, ergibt sich ein Wert von rund EUR 143 (Wahrscheinlichkeit rund 22 %). Hält die Investitionszurückhaltung bei Equipment dagegen an oder eskalieren die US-Zölle über die aktuellen 15 % hinaus, fällt der Wert auf rund EUR 44 (Wahrscheinlichkeit rund 18 %). Mit rund 60 % Wahrscheinlichkeit gewichten wir das Basisszenario nahe der kommunizierten FY2026-Guidance, das unseren Modellwert von rund EUR 94 trägt.
Der größte Einzelfaktor für den Konzernwert ist jedoch die Mehrheitsbeteiligung an Sartorius Stedim Biotech, die wirtschaftlich weitgehend dem Segment Bioprocess Solutions entspricht. Dieser Anteil fließt mit unserer eigenen, separat erstellten Bewertung der Tochter in den Konzernwert ein, nicht mit deren Börsenkurs. Wir sehen den fairen Wert von Sartorius Stedim Biotech bei rund EUR 103,92 je Aktie, rund 43 % unter dem aktuellen Börsenkurs von EUR 181,56. Der Markt bewertet die Tochter damit deutlich höher als wir; unser Konzernwert spiegelt bereits diese konservativere eigene Einschätzung wider, ohne dass daraus ein zusätzlicher Auf- oder Abschlag auf den Konzernwert abzuleiten wäre.