Unser fairer Modellwert beruht vor allem auf zwei Annahmen, die den Großteil des Konzernwerts bestimmen. Erstens unterstellen wir für Imaging ein Umsatzwachstum von rund 5,5 % pro Jahr, ausgehend von einer zuletzt tatsächlich erzielten dreijährigen CAGR von rund 8 %. Wir liegen damit bewusst unterhalb des demonstrierten Tracks, weil die Managementguidance für FY2026 ausdrücklich 'mittleres einstelliges Wachstum' angibt und weil die Zollrisiken aus der laufenden Section-232-Untersuchung der US-Regierung sowie die Wechselkursbelastung durch einen schwächeren US-Dollar unser Modell dämpfen.
Die operative Marge unterstellen wir bei rund 20,0 % in Jahr 1 (leicht über der zuletzt geschätzten berichteten IFRS-Marge von rund 19,5 %) und einem moderaten Anstieg auf rund 21,0 % bis Jahr 5, getragen von Skaleneffekten im Servicegeschäft und dem wachsenden Anteil wiederkehrender Erlöse aus der installierten Basis. Zweitens ist Varian die eigentliche Wachstumswette: Wir unterstellen eine Wachstumsrate von rund 7,5 % pro Jahr, nah an der Managementguidance 'high single digit' und gestützt auf die demonstrierte dreijährige CAGR von rund 7 %.
Die operative Marge auf EBITA-Basis unterstellen wir bei rund 16,5 % in Jahr 1 und einem Anstieg auf rund 18,5 % bis Jahr 5, angetrieben durch den demografisch gesicherten Anstieg der globalen Krebsneuerkrankungen von 20 Mio. auf 35 Mio. bis 2050 und die Skalierung der Softwareplattform. Die entscheidende Abwägung betrifft Diagnostics. Wir unterstellen ein Umsatzwachstum von rund 2 % pro Jahr und eine EBITA-Marge, die von rund 3,0 % in Jahr 1 auf rund 9,0 % in Jahr 5 steigt. Der Anker für die Margenerholung ist der Abschluss des Transformationsprogramms, das die über 200 Mio. EUR Jahresrestrukturierungsaufwand schrittweise abbaut.
Dagegen steht das Strukturproblem: Die zuletzt berichtete IFRS-Marge liegt bei rund 1,9 %, der demonstrierte Wachstumspfad der letzten drei Jahre liegt nahe null, und China als zentrales Beschaffungsrisiko ist nicht gelöst. Wir erhöhen die Marge also von einem heute sehr niedrigen Niveau, was einen konkreten Ausführungsanker braucht. Dieser ist vorhanden (Managementbestätigung des Transformationspfads, Margensteigerung von 5,3 % auf 7,7 % bereinigt in einem Jahr), aber er ist das unsicherste Element im Modell.
Im Basisszenario (Gewichtung 65 %) unterstellen wir Managementguidance-konformes Wachstum und eine schrittweise Diagnostics-Erholung; das ergibt einen Wert von rund EUR 58,54. Trägt Imaging stärker, weil das chinesische Geräteerneuerungsprogramm beschleunigt und die Diagnostics-Transformation zwölf Monate früher abgeschlossen wird, liegt der Wert bei rund EUR 90,10 (Gewichtung 20 %). Fallen Imagingmargen durch Section-232-Zölle um rund 2,5 Prozentpunkte und verschlechtert sich das China-Diagnostics-Geschäft strukturell weiter, liegt der Wert bei rund EUR 36,14 (Gewichtung 15 %).
Der gewichtete faire Modellwert beträgt EUR 61,49. Bereinigt um den erwarteten Aufwand aus der Section-232-Untersuchung (Erwartungswert rund 350 Mio. EUR mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 20 %) fließt dieser Belastung mit rund 70 Mio. EUR Nettowert in die Bewertungsbrücke ein. Der Abstand von rund 72 % zwischen dem fairen Modellwert und dem aktuellen Kurs erklärt sich in unserem Modell nicht allein durch operative Annahmen, sondern auch durch den strukturellen Abschlag, den der Markt auf den Diagnostics-Drag und die Abhängigkeit von der Siemens AG als 75%-Mehrheitsaktionärin anwendet.
Was der Markt einpreist: Um den heutigen Kurs von rund EUR 35,67 zu rechtfertigen, müsste der Konzern auf Gesamtgruppenebene rund 1 % pro Jahr schrumpfen (wir unterstellen rund +5,3 %) oder die Terminalmarge auf rund 11,9 % fallen (wir: rund 17,8 %), oder der Markt akzeptiert eine Renditeerwartung von rund 8,7 % für dieses Geschäft und stuft es damit als erheblich risikoreicher ein als unser Modell. Keiner dieser drei Pfade allein ist unmöglich, aber die Kombination erscheint übertrieben pessimistisch.