Zwei Annahmen tragen den fairen Modellwert von EUR 49,88. Erstens unterstellen wir bei Crop Science eine operative Marge von 12,0 % im kommenden Jahr, steigend auf 14,5 % in fünf Jahren. Das steht der zuletzt berichteten Marge von minus 11,7 % gegenüber, die wir um Litigation-Sonderaufwendungen von 17,0 Prozentpunkten sowie um eine geschätzte Akquisitionsabschreibung aus der Monsanto-Übernahme bereinigt haben. Die zugrunde liegende Run-Rate liegt damit eher im Bereich von 5 bis 6 %; die weitere Anhebung auf 12,0 % und dann 14,5 % stützt sich auf die Managementguidance des Five-Year Framework, das eine EBITDA-Marge im mittleren Zwanzigerprozentbereich bis 2029 in Aussicht stellt.
Zweitens unterstellen wir für Pharmaceuticals ein Umsatzwachstum von 5,0 % pro Jahr gegenüber der zuletzt gemessenen Rate von 1,7 %; die Beschleunigung ist am zitierten, aber noch nicht mehrjährig demonstrierten Nubeqa- und Kerendia-Wachstum von 60 bis 80 % verankert.
Die Crop-Science-Margenannahme ist zugleich die größte Chance und das größte Risiko unseres Modells. Dafür spricht, dass das Management das Five-Year Framework bereits kommuniziert und mit konkreten Effizienzmaßnahmen wie der Frankfurt-Standortschließung unterlegt hat. Dagegen steht, dass die von uns unterstellte Terminalmarge von 14,5 % über der besten in den letzten beiden Jahren tatsächlich erzielten operativen Marge des Segments liegt und die im Sektor Agrochemie üblichen Strukturmargen tendenziell niedriger sind.
Wir haben die Annahme bewusst nicht gekappt, weil das Management sie explizit kommuniziert, sehen darin aber die verwundbarste Stelle des Modells, insbesondere weil Dicamba-Zulassungsentzüge und chinesische Überkapazitäten diesen Pfad strukturell erschweren können.
Wie stark das Ergebnis auf diese Annahmen reagiert, zeigt die Bandbreite der Szenarien. Setzen sich die Blockbuster-Pipeline bei Crop Science und die Nubeqa/Kerendia-Rampe schneller durch als geplant, liegt der Wert bei rund EUR 82,99, mit einer von uns angesetzten Wahrscheinlichkeit von 20 %. Scheitert dagegen der Glyphosat-Vergleich an der Opt-out-Schwelle oder entscheidet der Supreme Court ungünstig, während sich zugleich der Regulierungsdruck bei Crop Science verschärft und die Xarelto/Eylea-Erosion die Nubeqa/Kerendia-Rampe übertrifft, fällt der Wert auf rund EUR 16,26, ebenfalls mit 20 % gewichtet. Das verbleibende residuale Litigationsrisiko jenseits der 10,8 Mrd. EUR Rückstellung haben wir zusätzlich mit einem erwarteten Wertabzug von 600 Mio. EUR belegt, der den fairen Modellwert dämpft, aber das binäre Restrisiko nicht vollständig neutralisiert.