Unser fairer Modellwert beruht im Kern auf zwei Automotive-Annahmen, da dieses Segment den größten Teil des operativen Unternehmenswerts trägt. Erstens unterstellen wir ein Umsatzwachstum von 2,0 % pro Jahr, obwohl der Automotive-Umsatz zuletzt um 5,9 % gefallen ist. Wir schreiben diesen Einjahresrückgang bewusst nicht fort, sondern stützen unsere Annahme auf den planmäßigen NEUE-KLASSE-Rollout bis 2027 bis 2030, der Volumen und Preise stabilisieren soll. Zweitens erwarten wir, dass die Automotive-Marge von 5,3 % im laufenden Jahr auf 7,0 % in fünf Jahren steigt.
Das Management selbst nennt ein Margenziel von 8 bis 10 % für das Segment; wir setzen unsere Annahme bewusst unter diesem Zielkorridor an, weil eine Marge von 8 % oder mehr in fünf Jahren eine Rückkehr auf Größenordnungen bräuchte, die zuletzt nur in Sondersituationen wie dem Halbleitermangel 2021 bis 2023 erreicht wurden, kein struktureller Normalzustand für einen Auto-OEM. 7,0 % markiert damit den unteren Rand der eigenen Unternehmensguidance.
Zwei weitere Kräfte prägen das Bild zusätzlich: Der NEUE-KLASSE-Hochlauf wirkt als Rückenwind, wir rechnen mittelfristig mit rund einem Prozentpunkt zusätzlichem Wachstum und rund zwei Prozentpunkten Margenverbesserung durch die günstigere BEV-Architektur. Dem steht mit rund 1,5 Prozentpunkten Margenbelastung der anhaltende Zolldruck entgegen, sowie, nicht explizit im Bericht benannt, aber aus unserer eigenen Einschätzung des chinesischen Automarkts, ein struktureller Gegenwind von etwa zwei Prozentpunkten Wachstum und einem Prozentpunkt Marge durch aggressive heimische Wettbewerber wie BYD. Financial Services liefert dagegen mit dem wachsenden Leasingportfolio (Neugeschäft plus 2,0 % auf 65,8 Mrd. EUR) einen stabilisierenden Wachstumsbeitrag von rund zwei Prozentpunkten für dieses Segment.
Die eigentliche Wette unseres Modells liegt in der Automotive-Margenannahme, nicht im Wachstum. Dafür spricht, dass die BEV-native Architektur die Batterie- und Fertigungskosten strukturell senken soll und das Management selbst einen deutlich höheren Zielkorridor nennt. Dagegen steht, dass die Zollbelastung ungelöst ist (die vereinbarte EU-Zollsenkung von 10 % auf 0 % wurde nicht umgesetzt) und der chinesische Wettbewerbsdruck eher zu- als abnimmt, weshalb wir unter der Unternehmensguidance bleiben. Financial Services bewerten wir konservativ zum Buchwert von 16,7 Mrd. EUR, obwohl die Eigenkapitalrendite von 14,3 % über typischen Kapitalkosten für ein Leasinggeschäft liegt.
Die Bandbreite zeigt, wie stark das Ergebnis an dieser Marge hängt. Setzt sich die Zolllösung durch und beschleunigt sich der NEUE-KLASSE-Hochlauf, sodass die Marge Richtung 10 % läuft, liegt der Wert bei rund EUR 152 (Wahrscheinlichkeit etwa 20 %). Verschärft sich der chinesische Wettbewerb dagegen weiter und bleiben die Zölle bestehen, sodass die Marge nahe dem aktuellen 5-Prozent-Korridor verharrt, fällt der Wert auf rund EUR 10 (Wahrscheinlichkeit etwa 15 %); dieses Szenario zeigt die hohe operative Hebelwirkung des Automobilgeschäfts. Von der industriellen Nettoliquidität von 13,0 Mrd. EUR rechnen wir praktisch keinen Teil als frei verfügbar an, da wir den Betrag als Betriebspuffer für die laufende NEUE-KLASSE-Investitionsoffensive werten.