Unser fairer Modellwert beruht vor allem auf zwei Annahmen, die den weitaus größten Teil des Wertes tragen. Erstens unterstellen wir für das Segment Applications, Technology and Support ein Umsatzwachstum von 11,5 Prozent pro Jahr in den ersten fünf Jahren. Die demonstrierte Zweijahresdurchschnittswachstumsrate von ATS beträgt zuletzt tatsächlich erzielt 9,5 Prozent, allerdings enthält diese Periode noch die volle Legacy-Erosion (Software-Support minus 7 Prozent, Lizenzen minus 29 Prozent).
Als Primäranker dient die SAP-eigene Planungsannahme aus dem Goodwill-Impairment-Test, die 13,0 Prozent unterstellt; zusätzlich impliziert die konkrete Guidance für das Cloud-Segment 2026 von 25,8 bis 26,2 Mrd. EUR auf vergleichbarer Währungsbasis ein Teilwachstum von etwa 23 Prozent, das bei gleichzeitiger Legacy-Erosion auf Segment-Gesamtebene in unserer Annahme von 11,5 Prozent mündet. Wir liegen damit zwischen der demonstrierten historischen Rate und der Managementplanung, also moderat gestützt durch beide Anker.
Zweitens erwarten wir, dass die operative Segmentmarge von ATS von zuletzt berichtet 40,6 Prozent auf rund 42,0 Prozent in fünf Jahren steigt. Der Anker ist die Skalenökonomie eines Cloudgeschäfts mit niedriger Reinvestitionsintensität (Investitionsquote des Segments zuletzt rund 2 Prozent des Umsatzes) und einem Fixkostenblock, der unterproportional zum Umsatz wächst; die Konzernkosten sind im Modell als näherungsweise fixe Basis behandelt.
Die tragende Annahme, die das Ergebnis am stärksten beeinflusst, ist das ATS-Umsatzwachstum. Dafür spricht der Current Cloud Backlog von 21,1 Mrd. EUR, der bei normalem Konversionsmuster den Großteil des Cloud-Umsatzes 2026 bereits sichert. Dagegen steht, dass das Wachstum des Current Cloud Backlog selbst von 29 auf 25 Prozent dezeleriert ist, stärker als das Management antizipierte, was strukturelle Risiken aus Deals mit Kündigungsoptionen anzeigt. Wir bleiben bei unserer Annahme, sehen aber diesen Datenpunkt als konkretes Warnsignal: Eine weitere Verlangsamung auf unter 20 Prozent Backlog-Wachstum würde unsere Wachstumsannahme unter Druck setzen.
Für Core Services unterstellen wir 3 Prozent Wachstum, leicht über der demonstrierten Rate von 1,3 Prozent, gestützt auf die Managementguidance für 2026 von einem moderaten Anstieg; die Marge sinkt im ersten Jahr von berichteten 10,9 auf 10,0 Prozent, weil das Management explizit einen moderaten Gewinnrückgang bei leicht steigendem Umsatz kommuniziert hat.
Im Basisszenario, das wir mit rund 65 Prozent gewichten, liegt der faire Modellwert bei EUR 279,36. Diese Einschätzung setzt voraus, dass Cloud-Umsatz 2026 in der Guidance-Bandbreite von 25,8 bis 26,2 Mrd. EUR landet, die Software-Support-Erosion bei minus 7 Prozent pro Jahr bleibt und die Teradata-Provision ausreicht. Steigt das Segment-Wachstum durch stärkere Geschäfts-KI-Monetarisierung und über Plan laufende Current-Cloud-Backlog-Konversion auf 15 Prozent, und hebt sich die Terminalmarge strukturell auf über 45 Prozent, erreicht unser Modell rund EUR 396,30 (rund 20 Prozent Wahrscheinlichkeit).
Bremst dagegen ein Einfrieren der IT-Budgets das RISE-Migrationstempo auf unter 8 Prozent Cloud-Wachstum auf Segmentebene, und beschleunigt sich die Software-Support-Erosion auf minus 10 Prozent und darüber, fällt der Wert auf rund EUR 183,28 (rund 15 Prozent Wahrscheinlichkeit). Der wahrscheinlichkeitsgewichtete faire Modellwert beläuft sich auf EUR 288,34.
Der faire Modellwert liegt rund 110 Prozent über dem aktuellen Kurs von EUR 137,37. Diese Lücke ist erheblich und erklärt sich nach unserer Einschätzung vor allem daraus, dass der Markt die Nettocash-Position und die IFRS-bereinigte Bewertungsebene deutlich anders gewichtet als unser Modell, das auf den non-IFRS-Segmentergebnissen aufbaut, und dass Legacy-Risiken (Software-Support-Erosion, Litigation) möglicherweise übergewichtet werden. Der faire Modellwert ist um die erwartungsgewichteten Prozessrisiken adjustiert: Das Teradata-Residualrisiko über der erfassten Provision sowie laufende DOJ/SEC-Compliance-Kosten sind mit einem Erwartungswert von zusammen rund 200 Mio. EUR eingepreist.
Was der Markt einpreist: Um den heutigen Kurs von EUR 137,37 zu rechtfertigen, müsste der Konzern rund minus 4 Prozent pro Jahr schrumpfen (wir: plus 10,6 Prozent) oder die operative Terminalmarge rund 14,7 Prozent erreichen (wir: rund 38,7 Prozent). Alternativ müsste der Markt eine Renditeerwartung von rund 14,5 Prozent akzeptieren, womit SAP als sehr risikobehafteter Wert eingepreist wäre. Dass keine dieser drei Annahmen isoliert plausibel die Lücke vollständig erklärt, ist selbst ein Signal: Der heutige Kurs impliziert eine Kombination aus Wachstumsskepsis und deutlich erhöhtem Risikoabschlag, die aus unserer Sicht über die messbaren Risiken hinausgeht.