Unser Modell beruht auf zwei tragenden Annahmen. Erstens unterstellen wir ein Umsatzwachstum von rund 21 % pro Jahr in den kommenden Jahren. Die Plattform wuchs in den vergangenen zwei Geschäftsjahren mit einer Wachstumsrate von tatsächlich erzielten 21,7 % p.a. Der kurzfristig ausführbare Auftragsbestand (cRPO) von 13,0 Mrd. USD wuchs zuletzt berichtet um 25 % und impliziert für die kommenden zwölf Monate ein Abonnementumsatzwachstum von rund 21 %. Das gesamte RPO von 28,2 Mrd. USD entspricht dem fast eineinhalbfachen Jahresumsatz und verankert diese Annahme zusätzlich.
Wir schreiben die demonstrierte Wachstumsdynamik also fort, ohne eine Beschleunigung einzumodellieren. Zweitens erwarten wir, dass die operative Marge auf Basis bereinigter Akquisitionsamortisation (EBITA) von zuletzt geschätzten 15,3 % im Jahr 1 auf rund 21 % in fünf Jahren steigt. Die berichtete GAAP-EBIT-Marge lag zuletzt bei 13,7 %; die Differenz zum Startpunkt unserer Annahme von 15,3 % ergibt sich aus dem Herausrechnen von rund 200 Mio. USD Amortisation akquirierter immaterieller Vermögenswerte, die wir nicht dem operativen Geschäft anlasten.
Den Margenaufbau von 15,3 % auf 21 % verankern wir am abnehmenden Gewicht der Infrastrukturinvestitionen nach dem laufenden KI-Investitionszyklus sowie an dem erwarteten Rückgang der G&A-Kosten in absoluten Zahlen, wie vom Management kommuniziert. Wir bleiben jedoch bewusst unter der kommunizierten Non-GAAP-Ambition von über 30 %, weil wir SBC als dauerhafte Kostenlast betrachten.
Die entscheidende Wette ist die Margenannahme. Dafür spricht, dass das Abonnementgeschäft eine Bruttomarge von rund 80 % erzielt und der Fixkostenblock im Verhältnis zum Umsatz bei fortgesetztem Wachstum sinken sollte. Dagegen steht, dass SBC mit 14,7 % des Umsatzes strukturell hoch ist und jede GAAP-Margenexpansion dämpft; zudem erzeugen die Moveworks-Integration und die geplante Armis-Übernahme in den Jahren 2026 und 2027 zusätzliche Amortisationslasten und Integrationskosten. Wir modellieren deshalb nur eine moderate Margenerholung und unterstellen explizit keine Annäherung an die Non-GAAP-Zielgröße auf GAAP-Basis.
Die Bandbreite der Ergebnisse ist erheblich. Beschleunigt das KI-Produktgeschäft stärker als erwartet, etwa weil Now Assist einen jährlichen Auftragswert von 2 Mrd. USD bis Ende 2026 erreicht (doppelt der kommunizierten Guidance) und das Umsatzwachstum auf 24 % steigt, liegt der faire Wert bei rund USD 169,87 (Wahrscheinlichkeit rund 25 %). Führen die DoJ-Untersuchung zu einem temporären Kaufstopp im Behördengeschäft, das schätzungsweise 15 % der nordamerikanischen Erlöse ausmacht, und gewinnen Microsoft und Salesforce AI-Workflow-Anteile, fällt das Wachstum auf rund 16 % und der Wert auf rund USD 75,75 (Wahrscheinlichkeit rund 15 %).
Das wahrscheinlichkeitsgewichtete Ergebnis liegt bei USD 123,70. Zusätzlich haben wir eine erwartete Belastung von rund 450 Mio. USD aus der DoJ-Untersuchung berücksichtigt, die wir mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 40 % und einem geschätzten Schadensvolumen von bis zu 700 Mio. USD ansetzen; dieser Betrag ist eine eigene Modellschätzung, kein offiziell kommuniziertes Risikovolumen.
Der faire Modellwert von USD 123,70 liegt rund 23 % über dem aktuellen Kurs von USD 100,88. Die Differenz erklärt sich nicht aus einem einzelnen Treiber, sondern aus der Summe: Der Markt scheint eine langsamere Margenexpansion und ein höheres Regulierungsrisiko einzupreisen, als unser Basisfall unterstellt. Angesichts des außergewöhnlich hohen Bewertungsniveaus ist das eine legitime Gegenposition, die wir ernst nehmen.