Unser fairer Modellwert von EUR 13,01 beruht auf zwei zentralen Annahmen. Erstens unterstellen wir für Nordamerika eine Rückkehr von der bereinigten Laufrate von minus 3,1 Prozent auf rund 6,5 Prozent operative Marge bis 2030. Der Anker dafür ist die demonstrierte Segmentmarge von 15,0 Prozent im Boomjahr 2023 und 4,2 Prozent im Normaljahr 2024; der Rückfall 2025 war überwiegend einmaligen Ursachen geschuldet (Plattformabschreibungen, Garantieneubewertung, Produktplanstreichungen), nicht einem dauerhaften Strukturproblem.
Vier neue Modelle 2026 und die Rückkehr des HEMI-V8 stützen unsere Annahme, die wir mit der Managementguidance für mid-single-digit AOI-Marge 2026 als Zwischenpunkt verankern. Das Umsatzwachstum in Nordamerika unterstellen wir mit rund 5 Prozent pro Jahr, ebenfalls innerhalb der Managementguidance für den Konzern (mid-single-digit). Zweitens unterstellen wir für Enlarged Europe eine Rückkehr von minus 1,1 Prozent Laufrate auf rund 5,5 Prozent bis 2030, gestützt auf die demonstrierte Marge von 8,0 Prozent im Jahr 2023 und den Anlauf neuer Produkte (Citroën C5 Aircross, Jeep Compass) sowie die schrittweise Senkung der CO2-Compliance-Kosten durch den Leapmotor-Rollout.
Auf Konzernebene ergibt sich daraus im Basisszenario ein Umsatz von 152,9 Mrd. EUR für 2026, der bis 2030 auf 178,2 Mrd. EUR steigt (rund 3,9 Prozent pro Jahr), bei einer EBIT-Marge von 1,3 Prozent 2026 und 6,2 Prozent 2030. Der freie Cashflow bleibt in unserem Modell bis 2027 negativ (minus 2,0 Mrd. EUR) und dreht erst 2028 bis 2029 in den positiven Bereich. Die eigentliche Wette liegt in der Nordamerika-Margenentwicklung. Dafür spricht die klare Bodenbildung: Die Shipments stiegen in der zweiten Jahreshälfte 2025 um 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Auftragsbestand ist auf drei Monate Reichweite gestiegen.
Dagegen steht das verbleibende Garantierisiko (das Management sprach von der 'vast majority' der Charges in 2025, nicht von vollständiger Abgrenzung) und die US-Tarifbelastung von 1,6 Mrd. EUR, die 2026 erstmals vollständig wirkt. Wir bleiben mit unserer Margenerwartung für Nordamerika bewusst unter dem Niveau des Boomjahres 2023 und unter der historischen Spitze. Der Konzern steht außerdem in der Schwächephase bei Maserati: Wir unterstellen nach einer weiteren Schrumpfung auf rund 690 Mio. EUR Umsatz bis 2026 eine Stabilisierung mit einer Laufrate-Marge von minus 30 Prozent im ersten Jahr und einem schrittweisen Anstieg auf 8 Prozent bis 2030, gestützt auf Analogien zu vergleichbaren Luxusmarken-Restrukturierungen, nicht auf kommunizierte Managementziele.
Im pessimistischen Szenario (mit rund 20 Prozent gewichtet) würde eine US-Rezession 2026 die Truck- und SUV-Nachfrage zusätzlich belasten, Garantienachreservierungen kämen hinzu, und der freie Cashflow würde die industrielle Nettocash-Position vollständig aufzehren. Der rechnerische Eigenkapitalwert wäre in diesem Szenario negativ (minus EUR 4,74 je Aktie); dieses Verlustrisiko ist im gewichteten Modellwert vollständig eingepreist und drückt ihn spürbar unter das Basisszenario von EUR 13,38.
Im optimistischen Szenario (15 Prozent) konvertiert der Nordamerika-Auftragsbestand schneller als geplant, eine Tarifentlastung durch ein US-Kanada-Abkommen materialisiert sich, und der faire Modellwert läge bei EUR 35,08. Unser gewichteter fairer Modellwert von EUR 13,01 liegt rund 156 Prozent über dem aktuellen Kurs von EUR 5,07. Die Quelle dieser Lücke liegt nicht in aggressiven Wachstumsannahmen, sondern in der Normalisierungsannahme: Der Markt scheint zu preisen, dass der Konzern die operativen Margen nicht in den mittleren einstelligen Bereich zurückführen kann.
Von der industriellen Nettocash-Position von 6,7 Mrd. EUR rechnen wir nur rund 2,7 Mrd. EUR als frei verfügbar an; der Rest ist als Betriebspuffer für ein zyklisches Geschäft (rund 2 bis 3 Mrd. EUR Working-Capital-Reserve) und für die 2026 committierten Rückstellungszahlungen von rund 2 Mrd. EUR gebunden. Schließlich sind im fairen Modellwert Einzelereignis-Anpassungen eingearbeitet: eine erwartete negative Korrektur von rund 320 Mio. EUR (400 × 40 Prozent Wahrscheinlichkeit) für verbleibende Garantie- und Litigationsnachläufer sowie ein positiver Erwartungswert von rund 100 Mio. EUR für eine mögliche Teilmonetisierung des Finanzdienstleistungsportfolios.